Zum Lesen, wenn du magst — kein Lernstoff
Spanisch: ein kurzes Porträt
Woher das Spanische kommt, warum es so viele arabische Wörter hat und wie es auf zwei Kontinenten klingt.
- Sprachfamilie
- Indogermanisch, romanisch
- Nächste Verwandte
- Portugiesisch, Galicisch, Katalanisch
- Schrift
- Lateinisches Alphabet, 27 Buchstaben (mit ñ)
- Amtssprache in
- Spanien, Mexiko, großen Teilen Mittel- und Südamerikas, Äquatorialguinea – rund 20 Staaten
- Eigenname
- español oder castellano
- Sprachpflege
- Real Academia Española (gegründet 1713) und die Akademien der anderen Länder
- Auf dieser Seite
- Spanisch aus Spanien
Woher es kommt
Spanisch ist eine romanische Sprache: Es hat sich aus dem gesprochenen Latein entwickelt, das die Römer ab dem 3. Jahrhundert vor Christus auf die Iberische Halbinsel brachten. Seine engsten Verwandten sind Portugiesisch, Galicisch und Katalanisch, etwas weiter entfernt Italienisch und Französisch.
Entstanden ist es im Norden, im kleinen Königreich Kastilien. Darum heißt die Sprache bis heute auch castellano, Kastilisch – vor allem in Lateinamerika und in Regionen Spaniens, in denen auch eine andere Sprache gesprochen wird.
Die Geschichte in Stufen
Nach den Römern herrschten die germanischen Westgoten. Wörter germanischen Ursprungs sind im Spanischen selten, darunter guerra (Krieg) und blanco (weiß). Ab 711 eroberten Araber und Berber den größten Teil der Halbinsel. Fast acht Jahrhunderte lang prägte das Arabische das Leben im Süden – und den Wortschatz.
Mit der Rückeroberung durch die christlichen Königreiche breitete sich das Kastilische von Norden nach Süden aus. 1492 ist ein Schlüsseljahr: Granada fällt, Antonio de Nebrija veröffentlicht eine der ersten Grammatiken einer europäischen Volkssprache, und Kolumbus erreicht Amerika.
Im 16. und 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, entstanden große Werke wie der Don Quijote von Miguel de Cervantes (erster Teil 1605). 1713 wurde die Real Academia Española gegründet, die seither Wörterbuch und Rechtschreibung betreut – heute gemeinsam mit den Akademien in Lateinamerika.
Die Zeitleiste
- um 1000
Mönche schreiben im Kloster San Millán de la Cogolla Randnotizen in einen lateinischen Text — die „Glosas Emilianenses“, frühe Zeugnisse des Romanischen auf der Iberischen Halbinsel.
- 1207
Ein Schreiber namens Per Abbat kopiert den „Cantar de mio Cid“, das große Heldenepos auf Kastilisch. Die erhaltene Handschrift geht auf diese Abschrift zurück.
- um 1260
König Alfons X. „der Weise“ lässt Gesetze, Geschichtswerke und Wissenschaft auf Kastilisch statt auf Latein verfassen.
- 1492
Antonio de Nebrija veröffentlicht eine Grammatik des Kastilischen, eine der ersten Grammatiken einer modernen europäischen Sprache. Im selben Jahr erreicht Kolumbus Amerika.
- 1605
Der erste Teil des „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes erscheint.
- 1713
In Madrid wird die Real Academia Española gegründet. Ihr erstes Wörterbuch erscheint ab 1726.
- 1951
In Mexiko gründen die Akademien der spanischsprachigen Länder ihren gemeinsamen Verband, die ASALE.
Wo man es heute spricht
Spanisch ist Amtssprache in Spanien, Mexiko, fast ganz Mittel- und Südamerika, in Teilen der Karibik und in Äquatorialguinea in Afrika. Auch in den USA sprechen es viele Millionen Menschen. Das Land mit den meisten Spanischsprechenden ist Mexiko.
Spanien und Lateinamerika verstehen sich ohne Mühe, es gibt aber hörbare Unterschiede. In großen Teilen Spaniens klingen z und c (vor e und i) wie das englische th, in Lateinamerika wie s. In Spanien sagt man zu mehreren Freunden vosotros, in Lateinamerika ustedes. Und in Argentinien und Uruguay heißt „du bist“ vos sos statt tú eres.
Auch Alltagswörter unterscheiden sich: Das Auto ist in Spanien coche, in vielen Ländern Lateinamerikas carro oder auto; der Computer ist in Spanien ordenador, drüben computadora. Auf dieser Seite lernst du die Formen aus Spanien.
Auf der Karte
- Amts- oder Mehrheitssprache
- Bedeutende Minderheit
Amts- oder Mehrheitssprache
- Äquatorialguinea
- Argentinien
- Bolivien
- Chile
- Costa Rica
- Dominikanische Republik
- Ecuador
- El Salvador
- Guatemala
- Honduras
- Kolumbien
- Kuba
- Mexiko
- Nicaragua
- Panama
- Paraguay
- Peru
- Puerto Rico
- Spanien
- Uruguay
- Venezuela
Bedeutende Minderheit
- USA
Die Schrift
Spanisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben, und die Schreibung folgt der Aussprache sehr regelmäßig. Wenn du die Regeln kennst, kannst du fast jedes Wort richtig vorlesen.
Das ñ hat eine hübsche Geschichte: Mittelalterliche Schreiber kürzten ein doppeltes n ab, indem sie ein kleines n über das andere setzten. Daraus wurde die Tilde. Die umgedrehten Zeichen am Satzanfang (¿ und ¡) empfiehlt die Akademie seit dem 18. Jahrhundert – damit du schon beim ersten Wort siehst, dass eine Frage oder ein Ausruf kommt.
Der Akzent auf Wörtern wie café oder árbol zeigt die betonte Silbe an, wenn sie von der Regel abweicht. ch und ll galten lange als eigene Buchstaben; seit 2010 zählen sie offiziell nicht mehr dazu.
Geliehene und verliehene Wörter
Aus dem Arabischen stammen viele Hundert spanische Wörter, oft erkennbar am mitgewanderten Artikel al-: aceiteÖlazúcarZuckeralmohadaKissen Selbst ojalá (hoffentlich) geht auf einen arabischen Ausdruck zurück.
Über das Spanische kamen Wörter aus Sprachen Amerikas nach Europa – auch ins Deutsche: Tomate und Schokolade stammen aus dem Nahuatl der Azteken, Hurrikan und Kanu aus Sprachen der Karibik.
Direkt aus dem Spanischen hat das Deutsche zum Beispiel Siesta, Fiesta, Patio und Moskito übernommen.
Was dich überraschen wird
Es gibt zwei Verben für „sein“: ser für das, was etwas ist, und estar für Zustand und Ort. Vergleiche: es aburridoer ist langweiligestá aburridoihm ist langweilig
Das Subjekt fällt meistens weg, weil die Endung schon alles sagt: hablo heißt „ich spreche“. Dafür hat das Spanische mit dem Subjuntivo eine Verbform, die im Alltag ständig vorkommt – nach Wünschen, Gefühlen und Zweifeln.
Und noch zwei Kleinigkeiten: Das h ist immer stumm, und me gusta funktioniert umgekehrt wie im Deutschen – wörtlich „es gefällt mir“.
Wusstest du?
Kurze Fakten zum Staunen. Einzeln tauchen sie auch am Ende einer Übungsrunde auf — zugeklappt, damit sie nicht stören.
- Die Tilde auf dem ñ war ursprünglich ein kleines n: Schreiber kürzten ein doppeltes nn ab, indem sie das zweite n über das erste setzten.
- Spanisch setzt ein Fragezeichen auch an den Anfang: ¿Qué tal? Empfohlen hat das umgedrehte Zeichen die Real Academia Española im 18. Jahrhundert.
- Das Land mit den meisten Menschen, die Spanisch als Muttersprache sprechen, ist Mexiko — nicht Spanien.
- Viele Wörter mit al- kommen aus dem Arabischen: almohada (Kissen), alfombra (Teppich), azúcar (Zucker).
- ojalá („hoffentlich“) geht auf eine arabische Wendung zurück, die „wenn Gott will“ bedeutet.
- tomate, chocolate und aguacate stammen aus dem Nahuatl, der Sprache der Azteken.
- Englisch hat mosquito, patio, plaza und rodeo aus dem Spanischen übernommen.
- In fast ganz Lateinamerika und auf den Kanaren klingen z und c vor e und i wie ein s. In weiten Teilen Spaniens spricht man sie wie das englische th.
- In Argentinien und Uruguay sagt man im Alltag vos statt tú: vos sabés statt tú sabes.
- Äquatorialguinea ist das einzige Land Afrikas, in dem Spanisch Amtssprache ist.
- Die höfliche Anrede usted ist aus vuestra merced zusammengeschliffen, „Euer Gnaden“.
- Der „Don Quijote“ von Cervantes gilt oft als der erste moderne Roman. Sein erster Teil erschien 1605.
- Spanisch hat zwei Verben für „sein“: ser für das, was etwas ist, estar für Zustand und Ort — soy feliz und estoy cansado.
- Spanisch kommt mit fünf Vokallauten aus: a, e, i, o, u. Darum wird es meist gesprochen, wie es geschrieben wird.
- Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 lebte ihr Spanisch als Judenspanisch (Ladino) im Mittelmeerraum weiter.
- Die Sprache hat zwei Namen: español und castellano, nach Kastilien. Beide sind richtig.
- Das Instituto Cervantes, 1991 gegründet, ist nach dem Autor des „Don Quijote“ benannt und fördert Spanisch weltweit.
- In den meisten Gegenden klingen ll und y gleich: calle und vaya haben denselben Laut.
- Jedes spanischsprachige Land hat eine eigene Sprachakademie. Gemeinsam geben sie Wörterbuch und Grammatik heraus.
- Spanische Nomen sind männlich oder weiblich, und oft sagt es die Endung: el libro, la mesa. Ausnahmen wie el día gibt es trotzdem.
- In Paraguay ist neben Spanisch auch Guaraní Amtssprache, und viele Menschen sprechen beide.